Probleme erkennen und dafür effiziente Lösungen entwickeln – so beginnen viele innovative Gründungsgeschichten. Auch Christoph Prinz und Marc Pfeifer haben eine Marktlücke entdeckt: Der Markt für Dreh- und Frästeile ist oft unübersichtlich. Mit ihrer digitalen Matching-Plattform bringen sie Unternehmen zusammen, die Zeichnungsteile benötigen oder herstellen. Im September 2025 gründete das Team die PartPrinZ GmbH. Dabei an ihrer Seite: ThEx Enterprise, ThEx innovativ und ThEx Wirtschaft 4.0. Wir haben die beiden gemeinsam mit Swen Köcher, Gründungsbegleiter im Projekt ThEx Enterprise, bei ihrem Kunden NUMERIK JENA GmbH zum Interview getroffen.
Zur Website von PartPrinZWer sind Sie und was macht PartPrinZ?
Wir sind Christoph Prinz und Marc Pfeifer, die Gründer der PartPrinZ GmbH.
Angefangen hat alles mit einer digitalen Vergleichsplattform für Zeichnungsteile. Unternehmen laden ihre technischen Unterlagen hoch, unser KI-gestütztes Matching findet passende Lieferanten und passende Angebote.
Heute entwickeln wir PartPrinZ Schritt für Schritt weiter: Technische Zeichnungen werden automatisch ausgewertet, Preisprognosen erstellt, Lieferanten bewertet und Marktinformationen intelligent zusammengeführt. So helfen wir Unternehmen, schneller, effizienter und transparenter Entscheidungen zu treffen.
Wie würden Sie PartPrinZ jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?
Dreh- und Frästeile werden nach Vorgaben auf einer Zeichnung gefertigt und kommen in nahezu jeder Branche vor, vom Maschinenbau über die Luft- und Raumfahrt bis hin zur Halbleiterindustrie. Oder einfacher gesagt: Fast jedes Fahrrad, Auto, Flugzeug, jeder Zug oder jedes Schiff enthält solche Bauteile.
Jede Zeichnung ist individuell. Genau deshalb ist es oft schwierig, den passenden Hersteller zu finden. Der Markt ist sehr intransparent, fragmentiert und traditionell.
Wir helfen Unternehmen und Zerspanungsbetrieben, sich besser zu vernetzen und bisher manuelle Prozesse zu automatisieren. Das sorgt für mehr Transparenz, weniger Aufwand und bessere Entscheidungen mit positiven Auswirkungen auf Kosten, Lieferzeiten und Qualität.
Welches Problem hat Sie so gestört, dass Sie daraus ein Unternehmen gemacht haben?
In der Beschaffung von Zeichnungsteilen werden heute noch viele Anfragen manuell und wahllos per E-Mail an verschiedene Lieferanten geschickt. Einkäufer prüfen Zeichnungen, suchen Lieferanten, übertragen technische Details, vergleichen Angebote und koordinieren Rückfragen.
Gleichzeitig erhalten Lieferanten viele Anfragen, die gar nicht zu ihrem Fertigungsportfolio passen. Die Erfolgsquote eines Angebots liegt im Durchschnitt bei gerade einmal 30 Prozent. Viele dieser Prozesse sind irgendwo Ende der 90er stehen geblieben und binden unnötig viele Ressourcen.
Wann haben Sie gemerkt: Das betrifft nicht nur uns, sondern viele andere Unternehmen?
Das haben wir in Gesprächen mit Einkäufern und Zerspanungsunternehmen sehr schnell gemerkt. Einkäufer berichten immer wieder von langen Reaktionszeiten, fehlender Vergleichbarkeit und hohem Aufwand bei der Lieferantensuche.
Lieferanten wünschen sich passendere Anfragen, weniger Streuverlust und mehr Sichtbarkeit bei relevanten Kunden.
Dadurch wurde klar: Es geht nicht nur um eine bequemere Plattform, sondern um ein strukturelles Effizienzproblem im Markt für Zeichnungsteile.
Warum haben Sie als Team gegründet?
Weil wir unsere unterschiedlichen Fähigkeiten optimal miteinander verbinden können. Nicht jeder kann alles. Und das ist auch gut so.
Was kann der eine deutlich besser als der andere?
Christoph war über zehn Jahre im industriellen Einkauf tätig und hat viele Zeichnungsteile beschafft. Er kennt die Branche, die technischen Anforderungen und die Herausforderungen aus der Praxis.
Marc ist seit über 15 Jahren Softwareentwickler und hat das System hinter PartPrinZ selbst entwickelt. Genau diese Kombination ergänzt sich hervorragend.
Worüber spricht niemand, wenn es ums Gründen geht?
Es wird viel über Ideen, Pitches und Erfolg gesprochen, aber wenig über die vielen unsicheren Phasen dazwischen.
Man trifft ständig Entscheidungen, obwohl noch nicht alle Informationen vorliegen. Gleichzeitig muss man nach außen überzeugend auftreten, während intern noch vieles im Aufbau ist.
Genau diese Mischung aus Verantwortung, Unsicherheit und Durchhaltevermögen wird oft unterschätzt.
Was war schwieriger als gedacht?
Schwieriger als gedacht war es, aus einer Idee ein Unternehmen mit klaren Strukturen, Prioritäten und wiederholbaren Prozessen zu entwickeln.
Am Anfang ist vieles möglich, genau das macht Entscheidungen schwer. Was baut man zuerst? Welche Zielgruppe spricht man an? Welche Funktionen sind wirklich wichtig?
Dazu kommt, dass Zeit und Ressourcen sehr bewusst eingesetzt werden müssen.
Die größte Herausforderung war nicht die Idee selbst, sondern die konsequente Fokussierung.
Welche Entscheidung würden Sie heute wieder genauso treffen?
Wir würden wieder sehr früh mit potenziellen Kunden, Lieferanten und Unterstützern sprechen. Dieses Feedback hat uns geholfen, Annahmen zu überprüfen und unser Geschäftsmodell deutlich zu schärfen.
Außerdem würden wir wieder als Team gründen, weil man schwierige Entscheidungen gemeinsam besser reflektieren kann und unterschiedliche Stärken zusammenbringt.
Warum sind langfristige Partnerschaften für Sie so wichtig?
Langjährige Partnerschaften sind für uns unglaublich wertvoll. Sie geben ehrliches Feedback, stellen die richtigen Fragen und helfen uns, den Fokus auf das Wesentliche zu behalten. Umso dankbarer sind wir, dass die NUMERIK JENA GmbH uns seit unserem ersten Prototypen begleitet und uns ihr Vertrauen schenkt. Genau solche Partnerschaften helfen dabei, aus einer Idee Schritt für Schritt ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.
Was war Ihre teuerste Lektion?
Unsere teuerste Lektion war, dass wir PartPrinZ anfangs zu klein erklärt haben. Wenn wir nur von einer Vergleichsplattform sprechen, klingt das schnell nach einem Angebotsportal.
Tatsächlich entwickeln wir die digitale Infrastruktur für die Beschaffung von Zeichnungsteilen, von der Anfrage über das Lieferantenmatching bis hin zu Preis-, Lieferzeit- und Marktdaten.
Diese Positionierung mussten wir erst schärfen. Das hat uns wertvolle Zeit gekostet.
Welchen gut gemeinten Rat würden Sie heute ignorieren?
Dass wir von Beginn an unbedingt ein Büro mieten sollten, um seriöser zu wirken. Wir arbeiten bis heute von zu Hause aus.
Welche Kundenreaktion ist Ihnen bis heute im Kopf geblieben?
Die erste Bestellung über unser System durften wir, in Absprache mit Kunde und Lieferant selbst ausliefern.
Der Lieferant hat sich riesig über den Auftrag gefreut, und der Einkäufer war von der Geschwindigkeit, dem Preis und der Qualität begeistert. Zuvor hatte er seine Teile immer über einen Zwischenhändler mit anonymem Lieferantennetzwerk beschafft.
Über PartPrinZ fand er einen Lieferanten, der nur 15 Kilometer entfernt war. Diese Erkenntnis hat ihn besonders begeistert.
Was passiert eigentlich, wenn man plötzlich vor Investor:innen pitchen soll?
Man merkt schnell, dass man sehr klar erklären muss, warum aus einem Problem ein skalierbares Geschäftsmodell werden kann.
Investoren wollen verstehen, wie daraus wiederkehrender Nutzen, Markttransparenz und ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen. Dadurch mussten wir unsere Vision deutlich präziser formulieren.
Was haben Ihnen die Investor Days gezeigt, das Sie vorher so nicht gesehen haben?
Vor allem, wie wichtig Reichweite und Aufmerksamkeit sind.
Plötzlich kamen Menschen auf uns zu, die mit unserer Idee selbst nichts anfangen konnten, aber genau die richtigen Kontakte hatten. Außerdem hätten wir nicht mit dem Spirit gerechnet, der dort entstanden ist, so viele Innovationen, mutiges Unternehmertum und Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen.
Was hat Ihnen auf Ihrem Weg bisher am meisten weitergebracht: Kapital, Kontakte oder Feedback?
Kapital war es definitiv nicht.
Kontakte waren für uns wichtig, weil sie Türen zu potenziellen Kunden geöffnet haben. Wir sind kein namhafter Konzern, für den viele Türen sofort offenstehen.
Und echtes Feedback aus der Industrie ist für uns Gold wert. Nur so konnten wir PartPrinZ konsequent an den Bedürfnissen des Marktes weiterentwickeln.
Welche Rolle hat ThEx Enterprise auf Ihrem Weg gespielt?
ThEx Enterprise hat uns auf vielen Ebenen unterstützt, von der Gründungsprämie über das TRIP-Programm bis hin zur Begleitung bei Fragen.
Außerdem konnten wir mit dem ThEx unsere Reichweite und Aufmerksamkeit Schritt für Schritt ausbauen.
Als ich Christoph zum ersten Mal kennengelernt habe, hatte ich sofort das Gefühl, dass er es ernst meint. Das habe ich an seinen Augen gesehen. Er kannte sich in seiner Materie so gut aus, hatte tiefgehende Markt- und Branchenkenntnisse und damit einen wertvollen Schatz.
– Swen Köcher, Gründungsbegleiter ThEx Enterprise
Welcher Moment hat Ihnen gezeigt: Das Risiko hat sich gelohnt?
Für uns gibt es keinen einzelnen Moment.
Wer seine Idee verfolgt und konsequent weiterentwickelt, für den lohnt sich das Risiko ab dem ersten Schritt.
Was würden Sie Menschen mitgeben, die gerade mit einer Idee starten?
Haltet trotz Zweifel durch und sprecht so früh wie möglich mit Menschen aus eurer Zielgruppe über eure Idee.
Dieses Feedback hilft enorm, die Idee zu schärfen und herauszufinden, ob ihr wirklich ein konkretes Problem löst.
Vielen Dank für das Gespräch!