Stefan Köhler

Interview mit Mailbox Erfurt

Das Unternehmen ist gegründet, die Produkte produziert – doch wie kommen diese zu den Kunden? Hier gibt es einiges zu beachten. Dazu haben wir Stefan Köhler, den Erfurter Filialleiter von Mail Boxes ETC. (MBE), befragt. Als Versandspezialist kennt er sich aus und verrät im folgenden Interview vier Fallstricke, die man beim Warenversand beachten sollte.

Was hat es mit der Verpackungslizenz auf sich?

Produktverpackungen unterliegen verschiedenen Vorschriften – auf die produktspezifischen Regelungen soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, sondern auf die Verpackung an sich. Denn Verpackungen aus Karton, Folie, Glas etc., die vom Verbraucher als Abfall im Müll landen und über das duale System eingesammelt werden, müssen lizenziert werden. Hierfür gibt es zahlreiche Portale im Netz, die Verpackungslizenzen anbieten. Neben diesen müssen sich Online-Händler bei der „Zentralen Stelle Verpackungsregister“ anmelden. Mit dieser Plattform wird transparent erhoben, inwiefern Händler ihrer Lizenzierungspflicht nachgekommen sind. Hinweis: Lizenzierungspflichten für Verpackungen gibt es nicht nur in Deutschland. Daher sollte man die nationalen Vorschriften für jedes Land prüfen, in welches der Versand erfolgt.

MailboxesStichwort Mehrwertsteuer – was gibt es hierzu bei Lieferungen ins europäische Ausland zu berücksichtigen?

Der One-Stop-Shop (OSS) und die Fernverkäufe seit dem 01.07.2021 sind die größte Reform der Umsatzsteuer für den EU-weiten Online-Handel und sollen den innergemeinschaftlichen Warentausch vereinfachen. Was sich dahinter verbirgt? Die Mehrwertsteuer muss nur noch bei einer zentralen Registrierungsstelle pro Land angemeldet werden, Umsatzsteueranmeldungen in einzelnen Ländern werden damit überflüssig. Sprich deutsche Online-Händler, die ihre Waren aus Lagern in Deutschland an Privatkunden im europäischen Ausland versenden, müssen ihre Umsätze der ausländischen Umsatzsteuer unterwerfen. Die Erhebung der Umsatzsteuer erfolgt ab einem Gesamtwert von 10.000 Euro im Bestimmungsland, bisherige Lieferschwellen entfallen.

 Was ist Fulfillment und wann lohnt sich das?

Fulfillment beschreibt den gesamten Prozess der Auftragsabwicklung, insbesondere im Bereich E-Commerce. Hierzu gehört vor allem die Lagerung, Kommissionierung, der Versand sowie das Retourenmanagement. Fulfillment-Anbieter, wie auch wir einer sind, übernehmen diesen Service. Das kann sich schon bei wenigen Sendungen am Tag lohnen – denn Online-Händler müssen somit keine eigenen Ressourcen vorhalten.

Wenn der Fulfillment – Dienstleister im Ausland lagert (z.B. FBA Fulfillment by Amazon), was gilt es dann zu beachten?

Bei der Umsatzsteuer ist es nicht relevant, wo der Händler seinen Hauptsitz hat, sondern von wo die Waren verschickt werden. Passiert das im Ausland, unterscheiden sich die gesetzlichen Regelungen unter Umständen von den deutschen Regelungen. Davon sind gerade Händler betroffen, die ihre Waren in den polnischen und tschechischen Lagern von Amazon lagern. Auch wenn der Händler seinen Sitz in Deutschland hat und einen Kunden in Deutschland beliefert, erfolgt der Versand jedoch aus dem Ausland – die Umsatzsteuer muss in dem Land abgeführt werden, aus dem die Waren zum Zeitpunkt des Verkaufs verschickt wird. Das setzt voraus, dass der der Verkäufer im jeweiligen Ausland umsatzsteuerlich registriert. Ein sehr komplexes Thema, bei dem man unbedingt einen Steuerberater hinzuziehen muss.

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