Welche Behördengänge sind zu nehmen?

Eine Existenzgründung ist mit vielen Behördengängen verbunden. Oftmals bedeutet das viel bürokratischen Aufwand und weite Wege. Welche Behörden aufgesucht werden müssen, ist von vielen Faktoren abhängig: Gründungsvorhaben, Rechtsform, mit oder ohne Personal.

Gewerbeamt

Der erste Gang bei jeder Gründung oder Übernahme eines Unternehmens führt – zumindest für Gewerbetreibende – zum Gewerbeamt. Für einige Gewerbe sind besondere Erlaubnisse erforderlich, wie etwa bestimmte Qualifikationen oder sachliche Voraussetzungen.

Von der Gewerbeanmeldung befreit sind Freiberufler wie z. B. Rechtsanwälte, Künstler, Ärzte oder Land- und Forstwirte. Die Frage, ob eine selbstständig ausgeübte Tätigkeit ein Freier Beruf ist oder ein Gewerbe, kann in vielen Fällen nicht ohne weiteres beantwortet werden, da diese Einstufung vom Einzelfall abhängt. Grundsätzlich aber werden freiberufliche Tätigkeiten im steuerrechtlichen Sinne nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG in Katalogberufe, also beispielsweise den Arzt oder Rechtsanwalt und den Katalogberufen ähnliche Berufe differenziert. Bei der Einordnung informieren Sie auch die Gründungsbegleiter:innen von ThEx Enterprise. Ebenso gibt das Finanzamt verbindliche Auskunft.

Die Gewerbeanmeldung erfolgt mit einem bundeseinheitlichen Formular beim dafür zuständigen Amt der kommunalen Verwaltung (Gewerbeamt oder Aufsichtsamt der Stadt oder Gemeinde). Hierfür dürfen Gründer:innen eine Verwaltungsgebühr in Höhe von ca. 15-50 Euro auf den Tisch legen. Mehr zur Gewerbeanmeldung gibt es hier:

Finanzamt: steuerliche Erfassung des Unternehmens

Auch um diesen Kelch kommen Selbstständige nicht herum: die Einkünfte beim Finanzamt zu melden und auch zu versteuern. Voraussetzung, um auch als Unternehmer beim Finanzamt verzeichnet zu sein, ist der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Dieser muss zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit beim Finanzamt eingereicht werden. Hier werden die geplante Tätigkeit und die kalkulierten Umsätze und Gewinne angegeben. Das Finanzamt erteilt eine Steuernummer für jede steuerpflichtige natürliche und juristische Person und setzt die erste Steuervorauszahlung fest. Mehr zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung  gibt es hier:

Industrie – und Handelskammer (IHK)

Für Gewerbetreibende vorgeschrieben ist die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) – mit Ausnahme der Freiberufler, Handwerker und landwirtschaftlichen Betriebe​.

Aufgaben der Kammern sind z.B. die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, Unternehmensförderung, Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung sowie die Organisation von Aus- und Weiterbildung. Nicht zuletzt berät sie Unternehmen rund um das Corona-Virus und die Fördermöglichkeiten.

 Basis für den IHK-Beitrag ist der Gewerbeertrag eines Kalenderjahres. Da diese Zahlen frühestens im Folgejahr durch den Steuerbescheid vorliegen, wird mit in einer vorläufigen Veranlagung eine Vorauszahlung festgelegt.

Handwerkskammer (HWK)

Für Handwerksbetriebe und handwerksähnliche Gewerbe ist Anmeldung bei Handwerkskammer (HWK) statt in der IHK verpflichtend. Eine regionale HWK führt u.a. die Handwerksrolle für zulassungspflichtige Handwerke und die Verzeichnisse der zulassungsfreien Handwerke sowie der handwerksähnlichen Gewerbe. Zudem regelt sie die Berufsausbildung, berät in allen Themen der Unternehmensgründung und -führung und unterstützt Handwerksbetriebe bei der Ausbildung. Während der Corona-Pandemie unterstützt sie ihre Mitgliedsunternehmen bei der Beantragung der jeweiligen Fördermittel.

Der Handwerkskammerbeitrag setzt sich aus einem Grund- und einem Zusatzbeitrag zusammen. Näheres regelt die jeweilige Beitragsordnung.

Sonstige Behörden und Einrichtungen

  • Agentur für Arbeit: Werden sozialversicherungspflichtige Mitarbeitende beschäftigt, müssen diese bei der Agentur für Arbeit sowie bei den Krankenkassen oder der Rentenversicherung angemeldet werden. Hierzu erhält das Unternehmen eine Betriebsnummer.
  • Berufsgenossenschaft: Die Berufsgenossenschaft ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Unternehmen und Mitarbeiter. Nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit werden Beschäftigte medizinisch, beruflich und sozial rehabilitiert und/oder finanziell unterstützt. Die Berufsgenossenschaften werden nach Branchen eingeteilt.
  • Krankenkasse: Werden Angestellte beschäftigt, müssen diese bei der Krankenkasse angemeldet werden. Die monatlichen Beiträge werden dabei zur Hälfte vom Arbeitgeber gezahlt.
  • Rentenversicherung: Die Rentenversicherung dient der Altersvorsorge der Mitarbeitenden. Einige Berufsgruppen, wie z.B. meisterpflichtige Handwerker:innen sind verpflichtet, Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Register: Je nach Rechtsform kann die Eintragung ins Handelsregister Pflicht werden. Hierzu ist ein Notartermin zur Beurkundung der Satzung notwendig. Genossenschaften müssen im Genossenschaftsregister angemeldet werden.

Weitere Informationen zum Thema Anmeldungen und Erlaubnisse erhalten Sie bei Ihren Gründungsbegleiter:innen von ThEx Enterprise.