ThEx-Gründerreport 2018: Mehrheit der Thüringer Gründerinnen zufrieden mit Selbständigkeit

Freistaat bei wichtigen „Gründungen mit Substanz“ sieben Prozentpunkte über Bundesdurchschnitt

 

Frauen gründen seltener als Männer – halten ihre Gründungsentscheidung aber in den allermeisten Fällen auch später noch für richtig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „Gründer- und Unternehmerreports 2018“, den Thüringens Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst heute gemeinsam mit Dirk Wegler, Leiter des Thüringer Zentrums für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx), sowie Cornelia Stöckmann vom Vernetzungsprojekt ThEx FRAUENSACHE. vorgestellt hat. Gründungen und Unternehmertum von Frauen in Thüringen ist das Schwerpunktthema des diesjährigen Reports. So geben 90 Prozent der befragten Gründerinnen an, „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“ mit ihrer Selbständigkeit zu sein, was vor allem auf den finanziellen Erfolg ihres Unternehmens zurückzuführen ist. Für ihre Analyse hatte ThEx FRAUENSACHE. im vergangenen Jahr rund 200 Gründerinnen und Unternehmerinnen in Thüringen befragen lassen.

 

„Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ist es umso wichtiger, dass es uns in den nächsten Jahren Schritt für Schritt gelingt, mehr Frauen zum Gründen zu animieren“, sagte Wirtschaftsstaatssekretärin Kerst. „Denn offenbar ist eine Gründungsentscheidung ja in vielen Fällen der erste Schritt in eine zufriedenstellende und erfolgreiche Berufsperspektive.“ Derzeit liegt der Anteil der Gründerinnen von Einzelunternehmen an allen Gründern in Thüringen bei 34,8 Prozent – der Freistaat bewegt sich damit im Bundesschnitt. Dennoch: „Letztlich bleiben angesichts dieser Quote große volkswirtschaftlichen Potentiale von Frauen in Deutschland und auch hier bei uns in Thüringen ungenutzt“, so Kerst.

 

Deshalb setze das Land auch seit einigen Jahren bei seiner Gründerförderung besondere Schwerpunkte zur Unterstützung der Gründervorhaben von Frauen. So sind mehr als 47 Prozent der geförderten Personen – und damit fast die Hälfte –  in diesem Bereich an Frauen. „Unser Zielwert von mindestens 40 Prozent wird damit deutlich übertroffen“, so Kerst. Und im Bereich der Beratungs- und Vernetzungsangebote biete Thüringen mit ThEx FRAUENSACHE. ein besonderes Angebot, das sich gezielt an Gründerinnen und Unternehmerinnen richte.

 

Mit welcher Motivation, in welchen Branchen, in welchem Alter, in welchen Netzwerken Gründerinnen unterwegs sind, sind weitere Fragen, auf die im diesjährigen „Thüringer Gründer- und Unternehmerreport 2018“ sowie vertieft und zusammen mit Portraits konkreter Gründerinnen in der Broschüre „Impulse – Gründen. Weiblich.“ Antworten gegeben werden. Einige Ergebnisse: Frauen gründen anders als Männer. Sie bereiten eine Gründung sorgfältiger und länger vor, sie haben oft weniger Risikokapital, sie gründen häufiger nach einer längeren Tätigkeit als Angestellte, um ihren Traum von der Selbständigkeit zu verwirklichen und sich finanziell besser zu stellen. Kinder sind für die Entscheidung zur Selbständigkeit kein Hindernis, sondern häufig sogar der ausschlaggebende Grund. 47 Prozent der Gründerinnen haben Kinder unter 18 Jahren und fünf Prozent pflegen Angehörige im Haushalt. Die Frauen erhoffen sich mehr Flexibilität ihrer Arbeitszeiten, um Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen.

 

In den „Impulsen – Gründen. Weiblich.“ werden zusätzlich auch Gründerinnen in Thüringen porträtiert. Sie stehen für bestimmte gründungsrelevante Themen – wie z.B. Digitalisierung, Netzwerken, Gründen als Migrantin, Scheitern und Neubeginn und vieles mehr. Zugleich werden Handlungsfelder aufgezeigt, in denen Verbesserungen oder zumindest eine Verstetigung der Angebote wichtig sind.

 

Mit dem „Thüringer Gründer- und Unternehmerreport“ legt das ThEx in diesem Jahr bereits zum neunten Mal in Folge eine jährliche Einschätzung zum aktuellen Gründungsgeschehen in Thüringen und Deutschland vor. Zentrale Ergebnisse lauten: Im Jahr 2017 gab es in Thüringen 11.212 Gewerbeanmeldungen. Dabei liegt Thüringen mit einer Selbstständigenquote von 8,5 Prozent etwas unterhalb des Bundesdurchschnittes von 9,8 Prozent. Bei den wichtigen Gründungen mit wirtschaftlicher Substanz (mehrere Beschäftigte gleich beim Unternehmensstart) rangiert Thüringen hingegen mit einem Anteil von 29,6 Prozent fast sieben Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt auf Rang eins. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 ist ein Anstieg der Gewerbeanmeldungen zu verzeichnen. Nach Rückgängen in den vergangenen Jahren ist für das Gesamtjahr 2018 daher zumindest eine Stabilisierung der Anzahl der Gewerbeanmeldungen zu erwarten. Hervorzuheben ist weiterhin, dass der Anteil der innovativen Gründungen und der Spitzentechnologiegründungen an allen Gründungen in Thüringen etwa doppelt so hoch ist wie im Bundesschnitt.

 

Ein signifikanter Anstieg der Zahl der Gründungen sei für die kommenden Jahre angesichts der guten konjunkturellen und der schwierigen demographischen Entwicklung sicherlich nicht zu erwarten, sagte Dirk Wegler, Leiter des ThEx: „Umso wichtiger ist es, dass die Unterstützung von qualitativ hochwertigen Gründungen in Thüringen auch weiterhin im Fokus bleibt. Das ThEx wird auch in Zukunft seinen Beitrag dazu leisten.“

Download “Thüringer Gründer- und Unternehmerreport 2018”
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Download “Impulse - Gründen. Weiblich.”
ThEx_FRAUENSACHE._Impulse_Gründen_Weiblich_2019.pdf – 235-mal heruntergeladen – 3 MB